So kann es nicht mehr weiter gehen …

“In einer modernen Welt wird die Macht von unten nach oben aufgebaut.”

Junge, wenn Du Hilfe brauchst,
dann schau auf die beiden Enden Deiner Arme!

Lebensweisheit der Großmutter an ihren Sohn Heinz Kruse

Als die Initiatoren diesen Blog begannen, stand die Motivation mit Blick auf die demokratische Idee, diese auch in unseren Unternehmen notwendigst weiter zu verankern. Das Ziel sollte es also sein, auf dem Blog das Thema zu vertiefen und besonders Beispiele zu bringen, so dass eine Nachahmung erleichtert werde.

Das unterstützende Leitbild ist uns hier die Ermöglichung dezentraler Selbstorganisation, um auf die zunehmende Komplexität und Dynamik der Märkte besser reagieren zu können. Das alte Leitbild des letzten Jahrhunderts, alle Steuerung zentral zu vollziehen, funktionierte nur genau hier, wo die Märkte sehr stabil waren, Komplexität gering und damit eine Standardisierung der Prozesse stark half.

In einem Gespräch mit Andreas Zeuch waren wir überzeugt, dass wir mit mehr demokratischer Beteiligung in den Unternehmen am Ende auch eine Rückkopplung dieser Kultur in unsere Politik zurück erhalten: Die Menschen werden auch hier mehr Beteiligung einfordern. Alle vier Jahre ein Kreuz zu machen, wird dann zu wenig sein.

Es ist schön zu sehen, dass dieser Effekt sehr viel schneller eingetreten ist, als von uns beiden damals erwartet. Ich habe mir gerade die Rede von Heinz Kruse, Ministerialrad a.D. und Autor des Buchs Demokratie in einer globalen Welt: Überwindung der Denk- und Handlungskrise unserer Parteienzu der in dieser Woche durchgeführten Veranstaltung Von der Parteienherrschaft zur Bürgerdemokratie (Überblick) angehört und habe viel von dem wieder erkennen können, was wir in den fast 500 Artikeln auf dem Blog dargestellt bekamen.

Herr Kruse stellt eingangs fest, dass die oben genannte zunehmende Komplexität unseren zentralistisch wirkenden Parteienapparat überfordere. Er weist darauf hin, dass auf Basis der Erfahrungen mit der Finanzkrise als auch den Vorgängen rund um TTIP sehr viele Bürger inzwischen feststellten, dass es so nicht weiter gehen könne:

Kritik bleibt wirkungslos, weil unsere Parteien abgehoben von der Ordnung des Rechts handeln und sich vom allgemeinen Wohl des Volkes als politisches Ziel abgekoppelt haben. Inzwischen ist unsere Politik denk- und handlungsunfähig: verkrustet in alten Strukturen und abhängig durch eine Kollaboration mit Finanzoligarchien. Deshalb helfen uns auch keine neuen Parteien (ob liberal, rechts oder links). Die neuen Parteien werden auch nur die alten sein. Es muss demnach mehr geschehen als nur zu demonstrieren und zu protestieren.
Text zum Vortragsvideo auf Youtube

Stellt sich also die Frage des WIE hier etwas geändert werden könne. Das in dem Vortrag vorgestellte Konzept ist sehr einfach und wird besonders jene Bürger abholen können, die Angst vor eine blutigen Revolution haben. Was sind die Kernpunkte:

  1. Das Grundgesetz, das nur ein von den Besatzern eingesetztes Verwaltungsgesetz zur Bewirtschaftung des Landes ist (siehe), wird von den Bürgern in freier Entscheidung mit wenigen Änderungen in den Stand einer Verfassung gehoben, sprich wird vom Volk ratifiziert.
  2. In dem Grundgesetz werden Volksabstimmungen als Mittel der Entscheidung festgelegt.
  3. Zudem wird festgelegt, dass zu wichtigen Themen eine Volksbefragung zu erfolgen hat.

Mit diesen Ergänzungen würde die derzeitige Parteienmacht gebrochen und der Souverän, der Bürger, kann so in kleinen Schritten dafür sorgen, dass das Leitbild der zuträglicheren, dezentralen Selbstorganisation im Land erreicht werden könne.

In einer modernen Welt wird die Macht von unten nach oben aufgebaut.
Heinz Kruse

Ich bin gespannt, was sich da entwickeln wird. Hier ist zumindest der nächste Schritt avisiert.

Und noch die Seite Verfassung vom Volk

 

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Mitinitiator der Initiative Wirtschaftsdemokratie.
Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztigel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen.
1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung.
Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört.
Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

3 Gedanken zu „So kann es nicht mehr weiter gehen …“

  1. Auch Roger Willemsen macht in seiner genialen Kurzrede deutlich, dass es der Anmeldung unserer individuellen Kompetenz beim Staat bedarf, um der Dekadenz unserer desillusionierenden Demokratie entgegenzuwirken:

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