Warum wir nur noch vier Tage die Woche arbeiten

Jedes Jahr zeichnet XING Firmen aus, die besonders innovativ arbeiten.  Platz drei des New Work Award ging dieses Mal an Bike Citizens. Daniel Kofler, Gründer und CEO, als auch Xing erlaubten die erneute Veröffentlichung des folgenden Artikels auch hier:

Warum wir nur noch vier Tage die Woche arbeiten

  • Weniger Krankheitstage und eine hohe Produktivität bestätigen das Modell
  • An dem freien Tag entstehen oft die besten Ideen
  • Für 2017 planen wir die 30-Stunden-Woche

Ein Start-up zu gründen ist harte Arbeit. In den ersten Tagen schufteten wir gefühlt acht Tage die Woche, rund um die Uhr. Ein Opfer, das wir gern erbracht haben – schließlich wollten wir, dass es weitergeht mit unserem Projekt. Schon damals aber warnte mein Mentor, dass ein Start-up kein Sprint sei, sondern ein Marathon. 60, 70 oder gar 80 Stunden die Woche waren auf Dauer nicht auszuhalten.Wir mussten uns also was einfallen lassen. Glücklicherweise stieß ich kurze Zeit später auf eine Studie. Das war vor anderthalb Jahren. Darin hieß es, dass das Verhältnis von vier Tagen Arbeit zu drei Tagen Freizeit glücklicher und produktiver mache. Nach einer Abstimmung unter allen Mitarbeitern macht der Freitag seinem Namen seither alle Ehre: Er ist für Bike-Citizens-Mitarbeiter frei. Work-Leisure-Balance heißt das Zauberwort.

Die Arbeitszeit allein entscheidet nicht über Erfolg

Die Arbeitsleistung der letzten Monate hat gezeigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Wir arbeiten kreativer, mit mehr Qualität, sind seltener krank und besser gelaunt. Und oft entstehen genau an diesem freien Tag die besten Ideen.

Auch von unseren Kunden kam ausschließlich positives Feedback. „Ihr macht das richtig“, sagen viele – und wollen nun die 4-Tage-Woche auch in ihrer Firma einführen. Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie Menschen reagieren, wenn scheinbar in Stein gemeißelte Rahmenbedingungen plötzlich verändert werden.

Dennoch mussten sich zu Beginn erst einmal alle an die neue Zeitrechnung gewöhnen. Die Umstellung war nicht leicht, vor allem intern gab es viele Zweifel: „Kommen wir mit der Arbeit hinterher? Erzeugt das Ganze vielleicht mehr Stress als Entspannung? Und: Gebe ich dann mehr Geld aus, wenn ich einen Tag mehr Freizeit habe?“

Kürzere Arbeitszeiten sind eine organisatorische Herausforderung

Wir haben uns deshalb auf eine Testphase geeinigt: drei Monate, in denen wir die neuen Arbeitszeiten ausprobierten – und in denen leider nicht alles so klappte, wie wir uns das vorgestellt hatten. Uns fiel auf: Ein unternehmensweiter Konsens, die verbleibenden Tage nicht beziehungsweise nur in Ausnahmefällen zum Arbeiten zu nutzen, reicht nicht – man muss es vor allem konsequent umsetzen.

Nach unserer Testphase war dennoch klar: Zurück zur normalen Arbeitswoche wollte keiner. Um trotzdem so produktiv zu sein wie früher, brauchte es klare Regeln. Dazu gehört unter anderem das stille, konzentrierte Arbeiten am Vormittag. Für Meetings und den Plausch mit Kollegen ist der Nachmittag da.

Durch die Reduktion der Arbeitszeit konnten wir schneller wachsen

Die Umstellung auf eine 4-Tage-Woche hat sich übrigens nicht nur in unserem Gemüt, sondern auch in unserem Geldbeutel bemerkbar gemacht. Durch die Reduzierung auf 36 Wochenstunden konnten wir Kosten sparen, die wiederum in Projekte und Mitarbeiter investiert wurden. Das Team ist dadurch von ehemals zwölf auf 20 Mitarbeiter gewachsen. Vor einem Jahr eröffneten wir außerdem ein Büro in Berlin und kooperieren inzwischen mit zwei Agenten in London. Wenn unsere Entwicklung so weitergeht, steht der 30-Stunden-Woche ab 2017 nichts mehr im Weg. Bis es allerdings so weit ist, ist noch viel zu tun.

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Die Initiative Wirtschaftsdemokratie bedankt sich für die erneute Veröffentlichung hier bei dem Autor Daniel Kofler und Xing, auf deren Plattform der Artikel zu erst erschien.

Hier lässt sich noch mehr über Bike Citizens erfahren: Pressebereich

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