Knigge für Softwarearchitekten rät: Vorsicht mit der Macht

Für mich ist das Buch ein MUSS für jeden angehenden Softwarearchitekten. Es gibt aber auch gestandenen Architekten reichlich Inspiration, was noch besser gehen kann.

Ich habe mal wieder ein Buch ausgelesen und möchte es allen empfehlen, die wie eine Spinne im Netz auch als kommunikative Vermittler wirken müssen. Das Buch Knigge für Softwarearchitekten richtet sich zwar explizit an eine recht seltene Sorte Mensch, kann aber auch in anderen Arbeitssituation Anregungen geben. Die Lektüre hat mir viel Spaß bereitet, da der Text nicht trocken sondern mit viel Schmunzel daher kommt. Zudem ist der Aufbau modern aufgelockert, mit viel Grafiken, Auflistungen und kurzen Hinweisenboxen, garniert mit neuen Wortschöpfungen, die die Mundwinkel immer wieder nach oben bringen.

Persönlich hat mich das Buch zweifach besonders angesprochen: einerseits erinnerte es mich an ein Knigge-Projekt, an dem ich selbst mitwirken zdurfte (siehe: Der DOKUMENTEN-KNIGGE – Die goldenen Regeln für den zeitgemäßen Umgang mit Dokumenten), andererseits bin ich selbst als Produktmanager in der Software-Branche tätig und der Software-Architket ist mein wichtigster Ansprechpartner der Entwicklungsabteilung, so gab es mir reichlich Anregungen für mein Wirken.

Ueber_den_Umgang_mit_Menschen_-_Titelblatt_1788Zum „belehrenden“ Knigge an sich sei noch so viel eingeschoben:

Bei meinen Recherchen über das  Sendungsbewusstsein des Aufklärers Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge hatte ich erst vor Wochen erfahren, dass er ein wichtiger Mitstreiter des von Adam Weishaupt gegründeten, berüchtigten und geheimen Freimaurerordens der Illuminaten war und in die Bruderschaft erst so richtig Schwung einbrachte. Übrigens war auch Goethe hier Mitglied. Laut Wikipedia, um ihn auszuforschen. Jedenfalls lässt sein Faust erahnen, was er in der Freimaurerei lernte. Nach der französischen Revolution war es schick oder schon fast Pflicht, in einem Freimaurerorden Mitglied zu sein, zumindest wenn man Rang und Namen hatte. In der Bruderschaft ist man sich offiziell auf Augenhöhe begegnet und hat sich gegenseitig dabei unterstützt, ein „wohltätiger“ Menschen zu werden. Und hat dabei sicher auch nicht seinen eigenen Vorteil aus den Augen verloren. Übrigens fand ich eine der wichtigsten Regeln der Freimauerer auch in dem Buch Wahnsinnskarriere: Wie Karrieremacher tricksen; Was sie opfern; Wie sie aufsteigen wieder: „Sei gut zu Menschen„, denn Du weißt nie, wann sie über Dich sprechen … (Regel 2 von 14, Regel 1: „Fasse nie einen Computer an„, denn Du verbringst zu viel Zeit mit seiner Konfiguration)

Die Autoren

Der hier vorliegende „Knigge“ hat auch sein Sendungsbewusstsein, nach meinem Empfinden ein sehr angenehmes. Die beiden Autoren Dr. Peter Hruschka und Dr. Gernot Starke haben auf 221 Seiten ihr geballtes Wissen basierend auf Erfahrungen über Rollen und Methoden in der Software-Branche niedergelegt. Sie sind Gründungsmitglieder des International Software Architecture Qualification Board (ISAQB) und bieten u.a. freie Tools auf Ihrem Portal www.arc42.de an, worauf sie auch im Buch eingehen.

Der Aufbau

In 33 Kapiteln (da fällt mir gerade spontan ein, dass der höchste offizielle Grad der Freimaurer nach dem schottischen Ritus der 33. ist) sprechen sie über 18 Erfolgsmustern, 11 Antipattern und schließen mit 5 Goodies ab. Bevor es in die Details geht, bieten die Autoren eine Grafik mit den Zusammenhängen der Mustern an. Bitte unbeding draufschauen und die Begriffe auf der Zunge zergehen lassen 🙂 :

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Zu den einzelnen Kapitel/Mustern ist hier schon genug geschrieben, so dass ich abkürzen möchte.

Wichtige Botschaften

Auf diesem Blog kam immer wieder die Sprache auf das gemeinsame Arbeiten auf Augenhöhe. Auch die Autoren weisen darauf hin, wie wichtig es ist, nicht im Elfenbeinturm einsame Entscheidungen zu treffen, sondern das Einbeziehen aller Beteiligten, d.h. das Abholen weiterer Erfahrungen wichtig ist. Dass auch das Erklären, warum eine Entscheidung wie ausgefallen ist, wichtig in den Begriffen der unterschiedlichen Adressaten ist. Denn, wer den Sinn in dem erkennt, was zu tun ist, wird es in der Regel selbst unterstützen.

Der Software-Architekt ist im Prinzip eine Eierlegendewollmichsau. Er muss ein umfassendes technisches Wissen haben, Pragmatiker sein, empathisch sein und gut kommunizieren können. Gesegnet das Unternehmen, das einen solch seltenen Spezi in seinen Reihen oder einen entsprechenden Berater zur Seite hat.

Fazit

Das Buch kann in 221 Seiten nur die zu wissenden Aspekte ansprechen. Die Autoren bringen dazu mit kurzen Geschichten aus Praxis den passenden Griff, und weisen in ihrer Literaturliste pro Kapitel auf die möglichen Vertiefungen hin.

Für mich ist das Buch ein MUSS für jeden angehenden Softwarearchitekten. Es gibt aber auch gestandenen Architekten reichlich Ideen, was noch besser gehen kann. Und sollte auch anderen Interessierten eine Inspiration im Umgang mit Menschen geben, und auch mal an die eigene Nase packen lasssen. Jedenfalls ging mir das ein paar Mal selbst so 😉

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Autor: Dr. Martin Bartonitz

Mitinitiator der Initiative Wirtschaftsdemokratie. Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztigel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen. 1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört. Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

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