Demokratisierung der Beziehungen zwischen Unternehmen und Konsumenten

Kunden gehen freiwillig in Vorkasse

… Und das schon bei der Ausbreitung der Ideenskizze auf Plattformen wie „Kickstarter“ oder „Startnext“. Jeder Schritt, jeder Fortgang und jede Verfeinerung des Projektes wird mit demUnterstützerkreis geteilt und durch die Reaktionen der Kunden, die in Vorkasse gehen, verbessert.

Es ist die perfekte Form einer Ökonomie der Beteiligung, die sich im Crowdfunding manifestiert. Es könnte das etablierte Finanzsystem in den Schatten stellen, Unternehmensgründungen beflügeln, als Katalysator für Innovationen fungieren und für eine Demokratisierung der Beziehungen zwischen Unternehmen und Konsumenten beitragen.

Man erlebt dabei immer mehr Menschen, die ohne Zwang, ohne Abo-Modelle, ohne Zahlungsschranken und ohne Schutzgesetze bereit sind, freiwillig für Start-ups, Kunst, Kultur oder Journalismus zu bezahlen. Sie widerlegen damit die Dauerschwätzer des Establishments, die nach staatlichen Hilfen schreien, um nicht durch die vermeintliche Kostenlos-Mentalität der Netzbewohner in den Abgrund gestürzt zu werden. …

Gefunden auf Ich sag malÜber das kollektive Buchprojekt “Eine neue Version ist verfügbar” und die Dankeschön-Ökonomie – von Gunnar Sohn

Was Rothirsche mit dem Papst und dem Home-Office zu haben …

… Forscher fanden Erstaunliches heraus: Sie beobachteten die Wanderrouten der Rothirsche im Böhmerwald mit Hilfe von Funkhalsbändern über sechs Jahre hinweg. Die „West-Hirsche“ wanderten exakt bis zu einer bestimmten imaginären Grenze, nämlich genau jener Linie, an der früher der Stacheldraht die Grenze des Ostblocks markierte. Und die „Ost-Hirsche“ taten das gleiche, nur von der anderen Seite her. Keines der Tiere übertrat die heute unsichtbare Linie, die exakt mit dem Grenzverlauf übereinstimmt! Die Hirsche haben offenbar das Ende des Kalten Krieges noch nicht mitbekommen…

Spannend. Und als wir das lasen, erinnerte uns das Verhalten der Rothirsche an das Verhalten von Führungskräften in Bezug auf das Thema Arbeitszeiten und Home-Office …

Führungskräfte WISSEN zwar, dass Home-Office-Arbeiter nachweislich in vielen Fällen produktiver, motivierter, seltener krank und zufriedener mit der Arbeit sind (dazu gibt es viele Studien, zum Beispiel die von Prof. Nicholas Bloom von der Stanford University) – dennoch GLAUBEN sie das Gegenteil. …

Gefunden auf FÖRSTER & KREUZWAS ROTHIRSCHE MIT DEM PAPST UND DEM HOME-OFFICE ZU TUN HABEN

Blinder Optimismus

Optimismus ist sicher unerlässlich für Führungskräfte, aber wie bei allem gilt auch hier die Regel von Paracelsus: „Die Dosis macht das Gift.“ Blinder und somit unrealistischer Optimismus trivialisiert die zu bewältigenden Aufgaben, negiert die Möglichkeit des Scheiterns und demotiviert die Mitarbeiter.

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.
Kurt Tucholsky

Das Projekt tiefrot, hektischer Aktionismus und Taskforces haben schon lange die geordnete Arbeit abgelöst, aber das Management betont bei jeder Gelegenheit: „Wir schaffen das!“. Die Mitarbeiter, welche die Probleme ja genauestens kennen, sind dann einerseits fassungslos über so viel Naivität und Weltfremdheit. Andererseits sind sie demotiviert und enttäuscht, weil in der gut gemeinten Botschaft (beabsichtigt oder nicht) mitschwingt: „Das ist doch nicht so schwer. Stellt euch nicht so an!“

The basis of optimism is sheer terror.
Oscar Wilde

Unrealistischer Optimismus ist wie das Pfeifen im dunklen Wald, eine Beruhigung der verängstigten Managerseele. Was nicht sein darf wird schöngeredet. Das Scheitern wird so lange negiert bis das tote Pferd zu riechen beginnt und manchmal sogar noch lange darüber hinaus. Alles auf dem Rücken der Beteiligten, die schon lange nicht mehr an dieses Todesmarsch-Projekt glauben, dafür aber umso mehr angetrieben werden.

Weiter geht es auf meinem Blog: Blinder Optimismus

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 8

„Die Teilnehmer berichteten häufig, dass sie sich nie zuvor derart akzeptiert und respektiert gefühlt hätten dafür, wer und was sie sind, noch dass sie jemals ihre individuelle Kraft so deutlich gespürt hätten wie in den Momenten, in denen sich die kollektive Gruppe besonders deutlich gezeigt habe. „

Lernen lernen – Das Geschenk des Nichtwissens

Wilhelm Busch´s Lehrer Lämpel (Foto: Wikipedia)
Wilhelm Busch´s Lehrer Lämpel (Foto: Wikipedia)

Was haben wir also über Lernen gelernt? Was haben wir über das Streben, die Aneignung und Aufrechterhaltung von Wissen gelernt? Wie würden wir ein wirklich stabiles Wissensmanagement betreiben? Eine einfache Antwort könnte sein: Open Space.

Diese Antwort würde für viele nicht befriedigend sein. Würde man sich in verschiedenen Situationen im Wissensmanagement auf die elegante Einfachheit von Open Space Technologie einlassen, so ist es sehr wahrscheinlich, dass einige passende Antworten gefunden werden würden oder zumindest die Frage besser verstanden wäre.

Für die meisten Situationen, in denen jedoch Open Space Technologie nicht möglich oder praktikabel ist, glaube ich, dass es letztlich zwei fundamentale Imperative gibt: 1) Ehre das Nichtwissen. 2) Respektiere die Kraft der Redundanz. Zweifellos gibt es eine Menge mehr Ratschläge, aber diese zwei setzen sich über viele konventionellen Weisheiten und Praktiken hinweg, wenn es um die Erzeugung von Wissen geht. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass sie bei Vorhaben vergessen oder vermieden werden.

Das Nichtwissen (das Unbekannte) zu ehren, ist unser Ausgangspunkt. In den Vereinigten Staaten, und ich vermute in den meisten Teilen der westlichen Welt, ist der Drang zur „Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 8“ weiterlesen

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 7

„Die Erfahrung zeigt, dass berichtenswerte Dinge schneller durch die Open Space – Landschaften jagen, als sie in Berichten oder auf Computerbildschirmen erscheinen.“

Die Suche nach dem jeweiligen Optimum im Open Space

Harrison Owen, Erfinder von Open Space und Autor des Artikels
Harrison Owen, Erfinder von Open Space und Autor des Artikels

Mit dem gebührenden Respekt gegenüber meinen Mitmenschen mache ich den frechen Vorschlag, dass einem der Mechanismus bei Ameisen wohlbekannt ist. Es ist die uralte Suche nach dem jeweiligen Optimum. Wenn für die Ameisen ein paar basale Erfordernisse erfüllt sind (viel Raum, eine große Anzahl, große Redundanz und schnelle, einfache und genaue Kommunikation), ist ein positives Ergebnis sehr wahrscheinlich, wenn auch nicht garantiert.

Der Raum ist – wie beschrieben – sehr groß und gleichzeitig ausreichend begrenzt um den Fokus und die Intention der Versammlung zu klären. Die Anzahl der Teilnehmer hat praktisch keine Grenze. Die Organisationsentwicklung unterstützt üblicherweise, das „ganze System in einen Raum“ zu bekommen. Diese Aufforderung führt normalerweise zu einer kleinen, repräsentativen Gruppe von Stakeholdern. Mit Open Space ist buchstäblich der Himmel die Grenze. Gruppen bis 2000 Teilnehmer haben gut funktioniert und es gibt keinen Grund zur Annahme, dass diese Anzahl nicht erhöht werden könnte. Natürlich könnte möglicherweise der physikalische Raum ein Problem werden, aber kein unlösbares. Mit den Möglichkeiten der Internetkommunikation ist es möglich, simultane Open Spaces an vielen Plätzen zu einem Thema für eine sehr große Gruppe zu veranstalten. Mehr Teilnehmer? Erweitern Sie einfach den Raum.

Die Erwähnung des Internets bringt uns zur Berücksichtigung der Kommunikation im Open Space. In einer typischen Situation sind Computer für die Teilnehmer vorbereitet. Wenn jede Themengruppe ihre Diskussion beendet hat, wird der Gründer dieser Gruppe einen kurzen Bericht auf dem Computer erstellen. Dieser Bericht wird dann sofort online und als hard copy an alle Teilnehmer verteilt. Zum Ende der Veranstaltung gibt es für die Teilnehmer einen kompletten schriftlichen Bericht über die Arbeit, der nach Hause mitgenommen werden kann oder online verfügbar ist. Ein Open Space fördert eine recht genaue, einfache und schnelle Kommunikation. Die meisten Teilnehmer lesen den Bericht. Neugierde stellt sicher, dass sie wissen wollen, was passiert ist. Die Computer und Berichte sind aber nur die Spitze es Kommunikations-Eisberges.

Die kraftvollste Kommunikation „Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 7“ weiterlesen

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 6

„Open Space ist durch konstante Bewegung charakterisiert – intellektuell, körperlich und (häufig) emotional. Das, was dem externen Beobachter chaotisch erscheint, ist für die Mehrheit der Teilnehmer etwas Natürliches, sogar Absichtsvolles und während sie nicht genau wissen, wohin sie gehen, scheint ihnen ihre Reise Spaß zu machen.“

Bild: Andreas Zeuch

Open Space als Möglichkeitsraum

Jede Open Space – Veranstaltung beginnt mit nichts als einer Frage, und Fragen erschaffen im Gegensatz zu Bemerkungen Raum. Dieser Raum ist jedoch nicht Nichts. Er ist zunächst in weit gesteckten Grenzen definiert, aber das macht klar, dass wir von diesem Raum sprechen in Abgrenzung zu allen anderen. „Was sind die zu lösenden Probleme und Möglichkeiten um die Qualität der Wasserversorgung unserer Gemeinde zu verbessern?“ Diese Frage schafft einen konzeptuellen Rahmen mit dem Fokus der „Wasserversorgung in unserer Gemeinde“. Bestimmte Dinge sind ausgeschlossen, zum Beispiel die Wasserversorgung auf dem Mars. Die Frage schafft aber ebenso Raum für diejenigen, die sich für „unsere Gemeinde“ und „Wasserversorgung“ interessieren. Nur diejenigen, die dies interessiert, werden von dieser Frage angezogen. Der Magnetismus der Frage lädt den Raum mit elektrisierenden Möglichkeiten. Aber bitte beachten Sie: Es ist noch keine Antwort in Sicht. Deshalb ist dies eine wirkliche Frage im Gegensatz zu rhetorischen Fragen.

Wenn die Frage gestellt ist und die Teilnehmer sich versammeln, sitzen sie in einem Kreis – mit Nichts in der Mitte. Es gibt keine Tische, kein Podium; lediglich die Teilnehmer, die sich ohne Hindernisse anschauen. Und wenn 2000 Teilnehmer da sind, ist es ein sehr großer Kreis, ein sehr großer Raum. Aber auch mit kleineren Gruppen fühlt sich der dazwischen liegende Raum für die meisten Teilnehmer komisch an, für manche sogar unangenehm. Es lohnt sich, die Teilnehmer zu beobachten, wenn sie sich setzen. Einige scheinen verwirrt, wo sie sitzen sollen, da keine Plätze reserviert sind und im Kreis gibt es kein Vorne oder Hinten. Wie kleine Kinder, die ein Schwimmbecken erkunden, sind sie sich des Randes sehr bewusst und wenn sie diesen Rand überschreiten (den Zeh ins Wasser stecken), weichen sie schnell wieder zurück. Wenn sie es für nötig befinden, zur anderen Seite zu gehen, dann laufen sie eher den gesamten Kreis ab, als durch die Mitte zu gehen.

Der physikalische und der konzeptuelle Raum sind komplementär.
„Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 6“ weiterlesen

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 5

„Eine große Anzahl an Teilnehmern und redundanten Aktionen führt in Kombination mit einfacher, genauer und schneller Kommunikation dazu, dass der Möglichkeitsraum seinen Schatz hervorbringt.“

Möglichkeitsraum und die Suche nach dem jeweiligen Optimum

Creative Commons-Lizenz Richard Bartz, Munich Makro Freak
Creative Commons-Lizenz
Richard Bartz, Munich Makro Freak

Nachdem wir den Sprung von Open Space als sonderbarer Art, Treffen zu organisieren, bis hin zu Open Space als Beispiel professioneller Selbstorganisation gemacht haben, können wir uns jetzt der Rolle der Frage für die Wissenserzeugung widmen; oder vielleicht der Notwendigkeit von Nichtwissen als Bedingung für Wissen: Nichtwissen als Wegbereiter von Wissen. Der Schlüssel liegt, wie ich glaube, in der Suche nach dem jeweiligen Optimum und dem Ort (Raum), wo diese Suche stattfindet – was ich Möglichkeitsraum nenne.

Die Forscher am Santa Fe Institute haben selbstorganisierende Systeme als „komplexe adaptive Systeme“ bezeichnet. Der Schlüsselbegriff ist adaptiv, was – wie schon angedeutet – auch als Lernen bezeichnet werden könnte, da sich das System nicht nur bessere Adaptionen an die Umwelt sucht, sondern sich auch für zukünftigen Nutzen an sie erinnert. Ein Wissen wird aufgebaut, das ein besseres Überleben ermöglicht. Offensichtlich haben Atome und Moleküle zwar keine neuronalen Pfade, aber das „Gedächtnis“ (und Lernen) ist trotzdem real, eingebettet in die neu geschaffenen Strukturen: neue molekulare Zusammensetzungen mit Eigenschaften, die kein Molekül zuvor hatte.

Dieser adaptive Prozess ist in höher organisierten Systemen genauso sichtbar, zum Beispiel in Ameisenkolonien (Johnson 2001). Diese kleinen Wesen konstruieren architektonische Wunder, zeigen ein enorm komplexes Sozialverhalten und überleben in einer sich konstant verändernden Umwelt. Sie lernen ferner mit großer Geschwindigkeit und wenden schnell die Früchte ihres Lernens an – ohne ein Gehirn in unserem Sinne. „Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 5“ weiterlesen

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 4

„Ich bin überzeugt, zeigen zu können, wie der Open-Space-Prozess auf verschiedene Arten die Bedingungen der Selbstorganisation erzeugt, d.h. dass Open Space eine Selbstorganisation menschlicher Systeme ist.“

Opening Space für Selbstorganisation

Selbstorganisierte Musterbildung im pflanzlichen Gewebe. Creative Commons-Lizenz, Urheber: RobKohl
Selbstorganisierte Musterbildung im pflanzlichen Gewebe. Creative Commons-Lizenz, Urheber: RobKohl

Open Space Technologie ist die Einfachheit an sich. Mit etwas weniger als 20 Minuten Einführung durch den Moderator sind Gruppen aller Größen in der Lage, ihre Agenda zu bilden und ihr Thema in Angriff zu nehmen. Nach anderthalb Stunden haben sich Arbeitsgruppen gebildet, um die wichtigen, durch sie identifizierten Subthemen zu erkunden und zu diskutieren. Im Verlauf des Open Space (normalerweise ein bis zwei Tage) treffen sich die Gruppen zu selbst gewählten Zeiten an selbst gewählten Orten. Wenn jede Gruppe ihre Arbeit abgeschlossen hat, werden Arbeitsberichte geschrieben und an alle Teilnehmer verteilt. Der Moderator, der die Veranstaltung eröffnete, ist praktisch unsichtbar und bietet keinerlei Richtung oder Intervention während des Prozesses an. Einige Moderatoren, wie ich selbst, sind dafür bekannt, zwischendurch ein Nickerchen zu machen. Kurzum: Die Teilnehmer erledigen alles selbst.

Aus der Perspektive konventionellen Wissens über Gruppenprozesse und der Organisation von Meetings ist die Erfahrung mit Open Space ein Rätsel. Eigentlich dürfte es nicht funktionieren. Jeder weiß, dass man nicht 2000 Leute eigenverantwortlich ohne Agenda alleine lassen kann, ohne dass etwas anderes als riesige Verwirrung entsteht. Trotzdem haben tausende von unterschiedlichsten Gruppen in den letzten 20 Jahren das Unmögliche möglich gemacht. Wiederum die Frage: Was geht hier vor?

Die einzig plausible Erklärung ist: Open Space funktioniert, weil Selbstorganisation funktioniert. Die genauen Eigenschaften und eine präzise Definition von Selbstorganisation sind Gegenstand einer entstehenden „Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 4“ weiterlesen

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 3

Ideen, die nicht in der Hitze aufrichtiger intellektueller Konflikte geprüft wurden, sind zwangsläufig meist oberflächlich.

„Revolutionäres“ Lernen

Harrison Owen, Erfinder und Entwickler der Großgruppenmethode “Open Space”
Harrison Owen, Erfinder und Entwickler der Großgruppen-methode “Open Space”

ist eine Anlehnung an Thomas Kuhns Ausdruck „wissenschaftlicher Revolution“, die sich auf die Momente bezieht, in denen wissenschaftliche Paradigmen durch radikal neue Einsichten in das Weltverständnis geändert werden (Kuhn 1973). Ich entschied mich „Wissenschaft“ in „Lernen“ zu ändern, um klarzumachen, dass wir nicht über die besonderen Leistungen von Spitzenwissenschaftlern reden, sondern über die tiefen Lernerfahrungen verschiedenster Leute, die beginnen, ihre Welt auf eine neue und effektivere Weise zu sehen. Aus der Vielzahl der Meinungen und Lebenserfahrungen, die oftmals – manchmal auch gewalttätig – konfligieren, entstehen neue Herangehensweisen und Einsichten – Wissen in seiner praktikabelsten Form.

“Revolutionäres” Spiel

bezeichnet die Art, in der die Teilnehmer an ihre Aufgabe herangehen – spielerisch. Häufig wird Spielen im Vergleich zum wirklichen Leben als triviales Ereignis gesehen. Ich halte dies für einen tiefgreifenden Irrtum. Spiel ist für mich die ernsthafteste und wichtigste unserer vielen Beschäftigungen. Die Wichtigkeit des Spiels entsteht durch die Tatsache, dass wir auf verschiedene und überraschende Weisen erlebte Wirklichkeit zu verstehen versuchen und Wissen über diese neuen Erfahrungen entwickeln. Wir tun dies, indem wir glaubhafte Geschichten erzählen oder formaler ausgedrückt, Theorien entwickeln. Wir nehmen die greifbaren Beweise, kombinieren sie mit unserer gemachten Erfahrung und versuchen, begründete Erklärungen für die beobachteten Phänomene zu konstruieren. Meistens scheitern unsere ersten Versuche und es ist oft der Fall, dass es genauso viele Theorien (Geschichten) gibt wie Menschen, die sie erzählen. Wenn dann jeder seine Version als neues Evangelium darstellt, dauert es nicht mehr lange, bevor die kalte Hand des Dogmas erscheint und die Suche nach Verständnis zu einem ideologischen Kampf degeneriert. Wenn Menschen andererseits ihr neues Abenteuer in einer spielerischen Weise erleben, mag es ernsthaften Wettbewerb geben, aber auch einen tiefen Respekt für die „Kontrahenten“, eine wahre Freude am Spiel und wirklichen Fähigkeiten – sogar von Teilnehmern, die etwas Derartiges nie zuvor gemacht haben.

Angemessene Kontrolle und Struktur

„Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 3“ weiterlesen

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 2

Open Space Technologie ist eine ausgesprochen simple Methode, die es kleinen und großen Gruppen ermöglicht, mit komplexen und konflikthaften Themen in überraschend kurzer Zeit konstruktiv umzugehen.

Opening Space für die Frage: Vorbereitung des Wissensfeldes

Credit: NASA/GSFC/Debbie McCallum
Credit: NASA/GSFC/Debbie McCallum

Während des Ablaufs wird unweigerlich klar, dass neues Wissen über und neue Herangehensweisen an alte und neue Probleme entwickelt werden – in Ergänzung zu vielfältigen anderen positiven Ergebnissen. Aber es ist die Wissenserzeugung, die Open Space für diese Diskussion relevant macht. In den letzten 20 Jahren nahm ich an dem großartigen, natürlichen Experiment mit Open Space Technologie teil. Es kann, wie ich glaube, einiges nutzbringendes Licht auf das Thema der „Vorbereitung und Erhaltung des Wissensfeldes“ werfen.

In Kürze: In einem Open Space werden die Teilnehmer, die mit einem wesentlichen Thema befasst sind, in einen Sitzkreis eingeladen. Sie kreieren ein schwarzes Brett, auf dem wichtige Subthemen notiert werden, die die Teilnehmer an ihre Kollegen adressieren möchten. Danach wird ein Marktplatz eröffnet, auf dem die Planungsdetails (Raum und Uhrzeit) der Treffen verhandelt werden, in denen die jeweiligen Subthemen bearbeitet werden sollen. Dann geht die eigentliche Arbeit los. Es ist bedeutsam, dass alle Open Space – Veranstaltungen mit nichts als einer Frage starten. Es gibt keine Präsentationen, keine zuvor erstellten Tagesordnungen, keine Konferenzkomitees und keine intervenierenden Moderatoren – nur eine Frage. Der Charakter der Frage variiert natürlich mit der jeweiligen Situation. Wenn z.B. Menschen zusammenkommen, um die örtliche Wasserversorgung zu verbessern, könnte die Frage lauten: „Was sind zu lösende Probleme und Möglichkeiten, um die Qualität der Wasserversorgung unserer Gemeinde zu verbessern?“ Die Frage ist weit genug, um die Erkundung einer unendlichen Anzahl an Antworten zu erlauben. Und sie ist ausreichend fokussiert, um sicherzustellen, dass die Teilnehmer wissen, warum sie anwesend sind. Wenn sie an der Frage nicht interessiert sind, sollten sie besser nicht teilnehmen.

In den letzten 20 Jahren seit 1985, als ich Open Space entwickelte, wurde diese Methode 60.000-mal in 108 Ländern mit Gruppengrößen von 5 – 2000 Teilnehmern durchgeführt. Hier einige Beispiele für typische Anwendungen: „Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 2“ weiterlesen