Das Muster unserer Gesellschaftskrisen

Die Menschen lassen sich diese Ausbeutung und Ungerechtigkeit nicht ewig gefallen und rebellieren. Beispiele dafür gibt es in der jüngsten Vergangenheit genug: Griechenland, Spanien, Nordafrika, London. Von der letzten Phase, dem Zusammenbruch, sind wir noch ein Stück entfernt. Wie weit?

Horrormeldungen bzgl. unserer Wirtschaft durchziehen seit geraumer Zeit unsere Medienlandschaft. Ein Ende scheint wohl auch erst einmal nicht abzusehen. Die Hilflosigkeit, der sich Politik und Wirtschaft diesen Ereignissen gegenüber ausgeliefert sieht, ist für mich noch fataler als die Nachrichten an sich. An dieser Stelle habe ich zwei Fragen.

  • Ist die Krise, in der wir uns befinden, einmalig in der menschlichen Geschichte?
  • Wenn nein, warum lernen wir nicht aus den Krisen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben?

Beginnen wir mit der ersten Frage. Die Möglichkeit, diese Frage zu beantworten, basiert auf einen für mich faszinierenden Umstand, nämlich der Kenntnisnahme des Buches System Der Politischen Ökonomie: Krankheitslehre Des Sozialen Volkskörpers des Professors für politische Ökonomie Gustav Ruhland, auf welches ich im Zuge meiner Recherche zu meinem Post Sollten Manager schizophren sein, gestoßen bin.

Ruhland wurde im Jahr 1887 vom damaligen Reichskanzler Bismarck engagiert, Erklärungen für die Niedergänge aller bisherigen Hochkulturen und Weltreiche der menschlichen Geschichte aufzustellen. Als Ruhland im Jahr 1890 von seinen diesbezüglichen Reisen zurückkehrte, war Bismarck nicht mehr im Amt. Ich bin mir nicht sicher, ob das der Grund war, warum seine Erkenntnisse keine Resonanz fanden. Ich finde seine Entdeckungen bemerkenswert, da sie ein Muster aufdecken, dem menschliche Kulturen und Gesellschaften erlegen sind und die letztendlich dazu führen das sie untergehen. Im  Dokument Der Untergang der Römer wird dieses Muster, welches in unterer Abbildung dargestellt ist, beschrieben.

Muster-Krise

Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass wir uns bereits mitten in der Phase 5, sprich in den Unruhen befinden. Game-, Casting-, Reality- und weitere unsinnige Shows, die in den letzten Jahren die Medienlandschaft fluteten und Ausdruck der Phase 4 (Dekadenz – Brot und Spiele) sind, können die Menschenmassen mittlerweile nicht mehr besänftigen. Die Armen werden immer ärmer und von der Anzahl immer größer. Die Reichen werden immer reicher. Die Mittelschicht wird bzgl. der Anzahl der Menschen her immer kleiner, die Schere zwischen arm und reich immer größer. In Somalia verhungern Kinder und Roman Abramovitsch kauft sich eine Yacht für 200 Mio. Dollar. Die Menschen lassen sich diese Ausbeutung und Ungerechtigkeit nicht ewig gefallen und rebellieren. Beispiele dafür gibt es in der jüngsten Vergangenheit genug: Griechenland, Spanien, Nordafrika, London. Von der letzten Phase, dem Zusammenbruch, sind wir noch ein Stück entfernt. Wie weit? Keine Ahnung. Deshalb ist es aus meiner Sicht jetzt um so wichtiger den Erkenntnissen eines beispielsweise Gustav Ruhland den gebührenden Platz in den Schulen und Universitäten einzuräumen und dieses Wissen endlich einmal zu nutzen.

Schön, dass es noch Seiten wie Vergessene Bücher gibt, die dem Wirken und Schaffen von Prof. Gustav Ruhland gewidmet ist. Auf dieser können Sie auch sein Hauptwerk “System der politischen Ökonomie” herunterladen, welches er in den Jahren 1903 bis 1908 verfasst hat. Sehr interessant und vor allem so unglaublich aktuell. Ich bin zur Zeit dabei, dieses zu studieren. Ich glaube an die Erkenntnisse von Ruhland, da ich das von ihm aufgestellte Muster sehr gut an unserer derzeitigen Krise erkennen kann.

Kommen wir zur Frage 2. Der Grund für das Missachten dieser Muster und wohl auch für die Arbeiten und Erkenntnisse von Ruhland liegen meines Erachtens darin, dass die Wurzel des Problems der Zins ist. Geld und Zins sind so tief in unser Leben, unsere Gesellschaft und unsere Kultur integriert, dass wir uns quasi selbst negieren müssen, um diesen Fakt zu hinterfragen. Unser Leben, unser Wirken und alles, was wir geschaffen haben, ist auf Geld und Zins aufgebaut. Geld ist das Blut der Wirtschaft. Da ist es natürlich nicht einfach, Geld und Zins in Frage zu stellen, aber unbedingt notwendig.

Real-Finanzwirtschaft

Was bleibt? Immer wieder das eigentliche Problem ansprechen, auch wenn es zur Zeit noch sehr Wenige hören wollen. Der Zins, so wie er derzeit existiert, ist die Wurzel des Problems. Und um das zu erkennen, reicht ganz einfache Mathematik. Wenn Sie das nächste mal in den Medien, in irgend welchen Talkshows oder wo auch immer eine Debatte hören, in welchen Fragen erörtert und diskutiert werden, wann die Realwirtschaft doch endlich wieder anzieht und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit der volkswirtschaftliche Kreislauf angekurbelt wird, haben Sie das oben stehende Bild bitte im Kopf. Dann kennen Sie nämlich die Antwort: Solange es den Zins gibt wie bislang, Niemals. Die Finanzwirtschaft wächst durch den Zins stets exponentiell. Dem hat die Realwirtschaft nichts entgegenzusetzen. Sie kann über einen langen Zeitraum bestenfalls linear wachsen.

Fortsetzung der Gedanken in: Wie das Muster der Gesellschaftskrisen durchbrechen?

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Autor: Conny Dethloff

Ich bin geboren im Februar 1974, diplomierter Mathematiker und Mitinitiator der Initiative Wirtschaftsdemokratie. Ich habe im Jahre 2006 für mich erkannt, dass die Art und Weise unseres Wirtschaftens nicht funktioniert und nachhaltig ist. Ich wollte dementsprechend die Zusammenhänge besser verstehen und darauf einwirken. Damit habe ich mich auf meine ganz spezielle Reise des Verstehens in wirtschaftliche und ökonomische Zusammenhänge begeben, und meinen Rucksack nach und nach gepackt mit: System-, Chaos- und Erkenntnistheorie, Modellierung und zum Schluss die Kybernetik und die Philosophie im allgemeinen. Mein Wissen, das ich auf dieser Reise gewann und immer noch gewinne, kann in meinem Logbuch als auch im Buch “Von einem der auszog die Wirtschaft zu verstehen: Auszüge aus dem Logbuch der Reise” nachgelesen werden.

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