Wie das Muster der Gesellschaftskrisen durchbrechen?

Unsere Waren faulen, vergehen, brechen, rosten, und nur wenn das Geld körperliche Eigenschaften besitzt, die jene unangenehmen, verlustbringenden Eigenschaften der Waren aufwiegen, kann es den Austausch der Waren schnell, sicher und billig vermitteln, weil dann solches Geld von niemand, in keiner Lage und zu keiner Zeit vorgezogen wird.

Im Post Das Muster der Gesellschaftskrisen habe ich die Gesetzmäßigkeiten beschrieben, die den Untergängen aller menschlichen Kulturen und Gesellschaften zu Grunde lagen und denen wir auch in unserer jetzigen Gesellschaft aufgesessen sind. Das Übel war der Zins. Nun fragt man sich natürlich sehr einfach: Kann man dieses Übel abstellen? Wenn ja, wie und warum tut man es nicht?

Die ersten beiden Fragen lassen sich mit ja beantworten, nämlich beispielsweise durch Freigeld. Silvio Gesell ist der Erfinder der Freigeldtheorie. Er beanstandete das Geld als Tauschmittel, da es nicht wie die Waren, mit der Zeit an Wert verliert, sondern schlimmer noch durch den Zins an Wert gewinnt. Die folgende Abhandlung im Netz beschriebt dieses Konzept sehr anschaulich. In dieser Dokumentation finden Sie auch einige Beispiele, wo das Konzept des Freigelds erfolgreich in die Praxis umgesetzt wurde. Gestoppt wurden diese erfolgreichen Experimente stets durch Wuchergedanken weniger Kaufleute oder durch Bankiers, was dazu führte in das alte Muster zurückzukehren. Leider. Und damit ist auch die dritte Frage beantwortet, nämlich warum die Lösung, die bekannt ist, nicht nachhaltig umgesetzt wird.

Anbei ein Zitat von Silvio Gesell, welches er im Jahre 1918 in einem offenen Brief an die “Berliner Zeitung am Mittag” offerierte und in dem er einen Krieg vorhersagte, wenn die Zinswirtschaft nicht abgeschafft wird.

Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz des Rufs der Millionen: ‚Nie wieder Krieg!’, entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft beibehalten wird, so wage ich es heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen. Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch ein Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. … Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen, man hat dann wenigstens für die Arbeitslosen wieder Arbeit. In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden und auch die Giftpflanze Übernationalismus wird wieder wuchern. Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein.

Wir wissen alle was einige Jahre später passierte.

Ich möchte nun 2 Zitate von Gesell aus seinem 1916 erschienenen Hauptwerk Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld anführen, die ganz deutlich den Makel von Geld unter dem Paradigma des Zins als Tauschmittel aufzeigen. Sie können das genannte Buch auch hier als PDF herunter laden.

Ein Geld, das gesetzmäßig in der Weise arbeitet, daß es sich zurückzieht, wenn es zu fehlen beginnt, und das in Masse auf dem Markt erscheint, wenn es dort schon übermäßig vertreten ist, kann nur dem Schwindel und Wucher dienen und muß als unbrauchbar bezeichnet werden, …

Unsere Waren faulen, vergehen, brechen, rosten, und nur wenn das Geld körperliche Eigenschaften besitzt, die jene unangenehmen, verlustbringenden Eigenschaften der Waren aufwiegen, kann es den Austausch der Waren schnell, sicher und billig vermitteln, weil dann solches Geld von niemand, in keiner Lage und zu keiner Zeit vorgezogen wird.

Wann wachen wir in Gesamtheit endlich auf und stellen unsere Gier im Sinne der Menschheit hinten an? Wieviele Beispiele, negative als auch positive, benötigen wir noch, um das Muster der Gesellschaftskrisen zu akzeptieren und darauf zu reagieren, beispielsweise mit dem Konzept des Freigelds?

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Autor: Conny Dethloff

Ich bin geboren im Februar 1974, diplomierter Mathematiker und Mitinitiator der Initiative Wirtschaftsdemokratie. Ich habe im Jahre 2006 für mich erkannt, dass die Art und Weise unseres Wirtschaftens nicht funktioniert und nachhaltig ist. Ich wollte dementsprechend die Zusammenhänge besser verstehen und darauf einwirken. Damit habe ich mich auf meine ganz spezielle Reise des Verstehens in wirtschaftliche und ökonomische Zusammenhänge begeben, und meinen Rucksack nach und nach gepackt mit: System-, Chaos- und Erkenntnistheorie, Modellierung und zum Schluss die Kybernetik und die Philosophie im allgemeinen. Mein Wissen, das ich auf dieser Reise gewann und immer noch gewinne, kann in meinem Logbuch als auch im Buch “Von einem der auszog die Wirtschaft zu verstehen: Auszüge aus dem Logbuch der Reise” nachgelesen werden.

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