Ubuntu – So arbeiten Ihre Teams entspannt und effektiv zusammen

Am Ende steht ein Team aus hilfsbereiten, gelassenen und freundlichen Mitgliedern, die Ergebnisse stimmen, die Termine werden eingehalten, der Arbeitsplatz als auch die Ehe sind gerettet, und in der Firma sind überall glückliche Gesichter zu finden.

Foto: Peter Draschan – pixelio.de

Wir sind der Meinung, dass auf lange Sicht gesehen Afrikas Beitrag für die Welt aus dem Bereich der menschlichen Beziehungen stammen wird. Die großen Weltmächte haben vielleicht Wunder darin vollbracht, der Welt ein industrielles und militärisches Antlitz zu verleihen, aber das große Geschenk wird aus Afrika kommen –
Der Welt ein menschlicheres Gesicht zu geben.

Steve Biko 1970
Politischer Aktivist, der wegen seiner Überzeugungen sterben musste.

So beginnt das Buch Ubuntu!: So arbeiten Ihre Teams entspannt und effektiv zusammen der Bestseller-Autoren Stephen Lundin und Bob Nelson.

Das Buch bringt in Romanschreibe eine äußerst zuträgliche Führungskultur rüber. Es geht um nicht mehr, als das Gefühl der Erfüllung beim Arbeiten. Und was aber die Unternehmensführung mehr freuen wird: diese Kultur führt zudem zur Steigerung der Produktivität.

Was ist Ubuntu?

Die afrikanische Lebensphilosophie mit dem süd-afrikanischen Zulu-Wort Ubuntu lässt sich in dem folgenden Satz kurz beschreiben:

mir geht es nur gut, wenn es Allen gut geht, denn ich bin ein Teil von ihnen

Viele afrikanische Menschen sind mit dieser Denkweise aufgewachsen und sie ist für sie wie das Atmen. Etwas detaillierter beschreiben es die Autoren über die Stimme eines der Protagonisten so:

  • Die Tür zu Ubuntu heißt Dankbarkeit und sie steht immer offen.
  • Der Weg zu Ubuntu wird durch unsere Menschlichkeit gewiesen und wir folgen ihr von Mensch zu Mensch.
  • Der Geist von Ubuntu ist durch die Gemeinschaft zu finden.
  • Die Gemeinschaft entsteht, wenn man die gleichen Ziele verfolgt wie andere.
  • Mögt Ihr alle den Erfolg und das Glück finden, das entsteht, wenn man Jeden, dem man begegnet als Mensch wahrnimmt.

Erkenntnis und Wandel

Der Roman zeichnet eingangs das Bild einer typisch hierarchisch organisierten Firmenkultur mit seinen Führungsproblematiken. Wo die Steuerung von oben nach unten diktiert wird und die Manager das Weltbild eines Menschen haben, der von Natur aus faul ist und zum Arbeiten angespornt werden muss (siehe auch die X-Y-Theorie). Sei es durch Belohnungen oder Bestrafungen.

Was in dem Buch leider nicht zur Sprache kommt ist, dass in einer solchen Kultur aufgrund der Konkurrenz um die wenigen Aufstiegschancen ein weiterer Grund ist, warum die Hilfsbereitschaft untereinander auf der Strecke bleibt.

Am konkreten Beispiel eines zudem sehr nüchternen und unpersönlich agierenden Managers werden die Auswirkungen des Wandels in der Arbeitskultur bei Anwendung der Ubuntu-Werte dargestellt. Weil der Manager sich einerseits nicht für das interessiert, was die einzelnen Teammitglieder in ihrem Menschsein ausmacht. Und andererseits davon ausgeht, dass sie sich nicht genügend anstrengen oder nicht gut sind, weil die Ergebnisse und Termintreue zu wünschen lässt. Resultat: er schiebt Überstunden ohne Ende, um das Ergebnis seiner Abteilung zu verbessern. Am Ende trennt sich Frau mit Tochter auf Probe von ihm.

Das Umdenken beginnt, als er schon unter Versetzungswarnung steht an einem Arbeitswochenende unverhofft Hilfe von einem der Mitarbeiter bekommt, der ausgerechnet schon gute Arbeit abgeliefert hat. Auf die Frage, warum er unaufgefordert mitarbeite, weiht ihn der junge, in Afrika aufgewachsene Mann in die Ubuntu-Philosophie ein.

Der Protagonist sieht nun eine Chance, sich selbst zu ändern und so sein Team wieder zu mehr Produktivität zu führen. Und klar, seinen eigenen Arbeitsplatz zu retten.

Teambildung

Er nimmt sich vor, die folgenden Werte für eine Teambildung vorzuleben:

  • Ich muss zugänglich, offen, ehrlich, durchschaubar, hilfsbereit und mitfühlend sein, Demut und Dankbarkeit demonstrieren.
  • Ich muss Vertrauen aufbauen, indem ich meinen Mitarbeitern in erster Linie Respekt erweise und nur in zweiter Linie darauf schaue, was der Betreffende leisten kann.
  • Ich muss in meiner Gruppe ein Gefühl dafür entwickeln, dass wir ein gemeinsames Ziel verfolgen, und darlegen, wie wir voneinander abhängen und andere von uns.
  • Ich muss lockerer werden und über meine Fehler und Schwächen lachen lernen.
  • Wir verbringen die meiste Zeit unseres Lebens am Arbeitsplatz. Ich möchte Möglichkeiten finden, unsere Lebensqualität beim Arbeiten zu verbessern.

Um etwas abzukürzen: Es läuft darauf hin, dass auch die Personalentwicklung der Firma die Ubuntu-Philosophie einführen will. Die verwandte Vorgehensmethode möchte ich hier nicht weiter ausführen. Aber die Frage, die in einer Mitarbeiterversammlung an alle Teilnehmer gestellt wurde und welche Antworten heraus kamen:

Auf welche Dinge legen Sie in ihrem Arbeitsleben den größten Wert?

Und wer hier schon länger mitgelesen hat, wen wundern die Antworten:

Respekt, Vertrauen, Ehrlichkeit, Zufriedenheit, Erfüllung, und klar Geld.

Und auch klar, am Ende des Romans steht ein Team aus hilfsbereiten, gelassenen und freundlichen Mitgliedern, die Ergebnisse stimmen, die Termine werden eingehalten, der Arbeitsplatz als auch die Ehe sind gerettet, und in der Firma sind überall glückliche Gesichter zu finden.

Auch wenn es ein typisch amerikanisch weichgespültes, positive Stimmung verbreitendes Werk ist, so zeigt es doch auf, welche Potentiale noch gehoben werden können. Ich erinnere wieder an die letzten Gallup-Studien (siehe z.B.), die in den letzten immer wieder aufzeigen, dass nur ca. 15% der Angestellten emotional an ihre Firma gebunden sind und damit hoch motiviert sind.

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Mitinitiator der Initiative Wirtschaftsdemokratie. Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztigel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen. 1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung. Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört. Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

2 Gedanken zu „Ubuntu – So arbeiten Ihre Teams entspannt und effektiv zusammen“

  1. Inzwischen hat sich eine UBUNTU-Bewegung mit einem DACH-Ableger formiert. Sie will eine kooperierende Gemeinschaft fördern, u.a. durch ein anderes Geldsystem:

  2. erhalten von Oliver Kreim – http://focusing-igf.de

    Hallo Martin,

    schon wieder ein spannender Beitrag, diesmal bezüglich von Ubuntu! Schön, mal nach Afrika zu schauen, den oftmals vergessenen Kontinent, vor allem was die Vorbildfunktion, auch vielleicht für die Wirtschaft, angeht.

    Ich denke, vor allem den einzelnen Menschen wahrnehmen und sich verbunden fühlen sind immer wieder mit ganz zentrale Aspekte, um auch im Hüther’ schen Sinne, über sich hinauszuwachsen und vor allem eine menschlichere Gesellschaft zu kreieren.

    Ich empfinde es als sehr wertvoll von Dir und anderen Architekten am Umbau unseres gesellschaftlichen Lebens hier immer wieder viel lesen zu können. Auch neurobiologisch gesehen ist es hilfreich, dass mit Begeisterung neue Ideen präsentiert und vorgelebt werden, die Menschen mitgenommen werden. Hier noch ein paar kleine Anmekungen:

    Es ist mir hier wichtig ist zu betonen, dass ein Wert, auch der der Verbundenheit nie als absolut zu setzen ist, sondern es Sinn macht ein Schwesternwert (so im von Thun’schen Sinne) mit in Augenschein zu nehmen. In diesem Falle also die Autonomie, wobei wir hier, was diesen Wert angeht es tagtäglich erleben können, gesamtgesellschaftlich eben etwas arg im Ungleichgewicht liegt, die Autonomie eben viel zu sehr überbetont wird und Verbundenheit viel zu wenig gelebt wird.

    In der praktischen Arbeit in Firmen, vor allem im Pflegebereich, aber auch in der Ausbildung, erlebe ich es immer wieder, das eine ganz große Sehnsucht danach besteht und diese Verbundenheit, wenn sie geschaffen ist, wenn auch die Hierarchien flacher werden, eine ganz andere Qualität von miteinander arbeiten, von miteinander lernen entsteht.

    Um jetzt nicht genau in das Gegenteil zu kippen, auch nicht einfach nur andere, also den bisherigen einfach konträre Konzepte entgegenzustellen, kommt mir gerade in den Sinn, dass es, wie ich denke enorm wichtig ist, keiner Prä- / Transverwechslung nach Wilber zu unterliegen, also zu schauen, ob wir da nicht etwas, was es bei uns an Entwicklung gegeben hat ausklammern oder wegmachen wollen, sondern wirklich etwas transzendieren, wobei zumindest der vermeintlich gute Sinn des Alten im Neuen enthalten sein sollte.

    Was den Punkt der Teambildung im obigen Text angeht, hätte ich als Mitarbeiter, auch wenn das alles inhaltlich ganz ganz toll und wertvoll ist ein Problem, da mir das Wort „muss“ viel zu oft vorkommt), mir jedenfalls ganz viel Druck machen würde. (z.B. „ich muss jetzt mal lockerer werden“).

    Nochmals vielen Dank für die so vielen bereichernden Beiträge, ganz herzliche Grüße

    Oliver

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