"brav" oder "brave", das ist hier die Frage …

Heute brauchen wir „Brave thinking“ und nicht mehr braves Warten im Alten, das eben die begünstigt, die jetzt „oben sind“.

Foto: Prof. Dr. Gunter Dueck – Omnisophie

Die Besten – wer sind die überhaupt? Es sind solche, die nach anerkannten Kriterien weit herausragen. Sie sind am schnellsten über 100 Meter oder erwirtschaften die höchste Eigenkapitalrendite. Die Kriterien, nach denen etwas am besten ist, werden in uns eingebläut. Wir sollen sie internalisieren.

Derzeit in der Werbung: „Kind, hast du einen Wunschzettel geschrieben? Ach, da ist er ja…ich schaue mal durch… hey, Kind, das ist praktisch der gesamte Spielzeugkatalog, meinst du das ernst?“ – „Aber Mama, ich bin dieses Jahr doch so brav gewesen!“ Spüren Sie es? Das Hauptkriterium unserer Kultur ist „brav“, das weiß sogar der Weihnachtsmann: „Kinder, seid ihr denn schön brav gewesen?“ – „Jaaa!!!“ Über unseren Zeugnissen stehen die Kopfnoten in Ordnung, Fleiß, Betragen und Mitarbeit – brav.

Liebe Leute, woher kommen denn die Regeln? Die hatten – einmal ganz naiv positiv gesehen – doch einmal einen Sinn in einer bestimmten Zeit. Und in diesen Zeiten, die da kommen und gehen, wäre es gut, sich immer wieder auf den Sinn der Regeln und Kriterien neu zu besinnen. Faktisch gesehen tut man das dann doch lieber nicht, weil sich die Zeiten meistens nur so langsam und allmählich ändern und weil die stur fest etablierten Regeln, Kriterien und Rituale an sich auch etwas Gutes haben.

Die Digitalisierung aber erzwingt jetzt große Veränderungen in unser aller Leben. Kriterien und Regeln werden sich „radikal“ (so sagt man das) verändern. …

Brauchen wir bald den mehr kreativen Menschen statt des braven? Was ist Bildung? Wie geht Demokratie? Sind wir denn nicht nur bester Freund von Frankreich, weil wir mit denen eine lange reale Grenze haben, sondern mit allen Ländern, weil ja Grenzen kaum noch etwas bedeuten? Was ist Christsein in der entgrenzten Welt? Wie wollen wir zusammenleben, wie wollen wir unser Sein gestalten? Wie viel Maschine ist noch gesund?

Statt einer Neubesinnung sehe ich überall nur hoffnungsklammernde Repositionierungen. Die Besten wollen natürlich die Besten bleiben und denken, „Neuaufstellungen in der Organisation“ würden ihnen vollkommen reichen. …

Brav – dass sagt man im Englischen nicht. Man sagt „good girl“, „good boy“, „good dog“ oder „good patient“. Es gibt aber das Wort „brave“ wie mutig, unerschrocken und tapfer in ungewohnten Situationen, in denen gehandelt werden sollte. Heute brauchen wir „Brave thinking“ und nicht mehr braves Warten im Alten, das eben die begünstigt, die jetzt „oben sind“.

Fundstelle auf der Web-Site von Prof. Dr. Gunter Dueck: Die jetzt noch Besten, die nötige Neubesinnung und „Brave thinking“

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