Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen

Langes Analysieren ist in einer Kultur ohne Fehl und Tadel vordergründig nur die vorweggenommen Entschuldigung, wenn sich die Entscheidung als falsch herausstellt.

Foto: Cover-Ausschnitt von Feel it! …

Die folgende Rezension des Buchs Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen von Dr. Andreas Zeuch schrieb ich vor 5 Jahren auf Amazon, und da es immer noch aktuell ist, möchte ich den Text auch hier nochmals bringen:

agiles Geschäftsprozessmanagement über intuitive Improvisation …

… so habe ich schon einmal selbst gepostet, da ich den Bezug zum Geschäftsprozessmanagement, meinem Steckenpferd seit 1992, schon zur Hälfte des Buches erkannt hatte. Womit auch schon klar ist, an wen sich dieses Buch richtet: an Alle, die im Geschäftsleben zu lenken, zu entscheiden haben. Aber auch an alle, die merken, dass unsere Arbeitsphilosophie auf andere Füße gestellt werden muss, wollen wir raus aus dem Tal der lethargischen Mitarbeiterschaft und das Potential selbstlernender Organisation und innovativer Mitarbeiter heben.

Es ist wieder eins der erhellenden Bücher, erfrischend, spannend und auch überzeugend geschrieben. Sehr gut gefallen haben mir die vielen Beispiele aus der Forschung und auch die Geschichten, die sich ereignet haben. Untermauern sie doch immer wieder die aufgestellten Hypothesen. Nach jedem der Kapitel werden nochmals die dazu interessanten Bücher als weiterführende Literatur angegeben.

Der häufigste Satzbeginn, der uns in aktuellen Marketingmaterialien kommt ist: “In unser immer komplexer werdenden Welt …”. Und genau hier setzt Herr Zeuch ein und macht deutlich, dass wir diese Welt nicht mehr berechnen können. Egal wie lange wir uns Zeit nehmen, ein komplexes Thema durchdringen zu wollen, es werden uns entweder wichtige Informationen fehlen oder wir haben zu viele. Und unsere Annahmen sind spätestens in einigen Wochen wieder über den Haufen geworfen.
Warum also sollten wir viel Zeit in langwierige Planungen stecken, wenn wir doch meist nur kurz-, wenn wir Glück haben, mittelfristig planen können?

Aufgrund der Komplexität wird auch ein einzelner, vermeintlicher Experte = Manager keine Chance mehr haben, daher sollten wir auch mehr auf die kooperative Intelligenz des Teams setzen.

Ich hatte mich in der letzten Zeit viel mit den neuesten Ergebnissen der Gehirnforschung beschäftigt, da mich die Frage umtrieb, ob wir Menschen einen eigenen Antrieb haben, sprich von innen motiviert sind. Herr Zeuch hatte vieler dieser Experimente wieder aufgegriffen und sie zur Untermauerung seiner These, dass uns in dieser komplexen Welt nur wirklich die Intuition für gute helfen Entscheidungen helfen wird.

t In einer Kultur, in der Fehler toleriert würden und als Quelle des Lernens genutzt werden, können diese Planungskosten gespart werden. Durch das “agile” Arbeiten, sprich das schnelle gemeinsame Gegensteuern bei einem transparent behandelten Fehler führt zu deutlich mehr Innovation und damit besseren Chancen des Überlebens.
Herr Zach sieht die Hinwendung mehr zum Menschen. Er führt die Gallup Studie aus 2009 an, in der 89% der Deutschen sich schon verweigert haben und nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Welch ein Potential ist im Geschäftsprozessmanagement hier zu schöpfen? Was, wenn wir Menschen uns mehr vertrauen, zutrauen und damit selbstbestimmt anstatt fremdbestimmt arbeiten.

Das bedeutet, Manager in einer völlig anderen Rolle zu sehen. Nicht mehr bestimmend sondern moderierend. Die intuitive Intelligenz des Schwarms ist zu fördern, wie uns der Publikumsjoker bei “Wer wird Millionär” immer wieder zeigt, dass er den Experten-Joker sticht. Damit wird Hierarchie, sprich Beherrschung weiter aufgehoben.

Und hier dürfen wir gespannt sein, ob wir die alte Schule der Betriebswirtschaftler sowie die Machtbewahrer in den Firmen so leicht umstimmen können. Da werden uns vermutlich mehr positive Beispiele wie von den Firmen, die im Buch vorgestellt wurden, helfen können, die uns vormachen, wie erfolgreich eine solcher Art geführte Firma sein kann.

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Mitinitiator der Initiative Wirtschaftsdemokratie.
Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztigel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen.
1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung.
Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört.
Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

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