Starre Arbeitszeiten haben ausgedient

… Kritiker der flexiblen Konzepte – Teilzeit, Gleitzeit, Home-Office – fürchten, dass Job und Freizeit so verschmelzen könnten, dass am Ende die Freizeit auf der Strecke bleiben könnte (siehe dazu auch: Selbstausbeutung: das neue Leiden des 21. Jahrhunderts?). Das zu verhindern, wird in Zukunft die wohl größte Aufgabe der Arbeitswelt werden.

Denn: Dass starre Arbeitszeitmodelle ausgedient haben, liegt auf der Hand. Eine Revolution ist unaufhaltsam – und die Wirtschaft reagiert. Eine aktuelle Umfrage der Uni Bamberg, von der der „Spiegel“ berichtete, zeigt, dass Personaler der größten deutschen Unternehmen in Zukunft auf flexible Arbeitszeiten setzen, um attraktiver zu werden.

Daimler setzt sich nun an die Spitze dieser Bewegung.

Fundstelle auf huffingtonpostDie Job-Revolution: Daimler geht einen Schritt, der unsere Arbeitswelt für immer verändern soll

In einer Fabrikgesellschaft ist der Unterschied ein Makel

Die Abweichung von der Norm kann der Schlüssel zu Innovation und Verbesserung sein.

Es ist die „Kunst“ der Wissensgesellschaft, den persönlichen Bedürfnissen der Menschen so gerecht wie nur möglich zu werden – also das vermeintlich Unmögliche zu liefern. An dieses Ideal kann man sich nur annähern, wenn man zuhört – und nicht ständig erzieht. Das lag dem Industrialismus nicht besonders. Er führte, er lenkte, er kontrollierte und steuerte – aber mit dem Zuhören hatte er es nie.

Die eigene Bewertung der Welt und ihrer Sachverhalte erforderte Mut. Denn die Systemkonformen, die ihre Vorgaben brav erfüllten, galten auch als die Besten. In der Welt der Massenproduktion und ihrer Hierarchien ergibt das Sinn, denn ein Abweichen von der Norm ist hier schlicht ein Fehler. In einer Fabrik – und in einer Fabrikgesellschaft – ist der Unterschied ein Makel.

In der Wissensgesellschaft bewertet man das völlig anders, denn hier geht es gerade darum, Varianten zu betonen. Die Abweichung von der Norm kann der Schlüssel zu Innovation und Verbesserung sein. In der alten Welt darf der Schüler nicht schlauer sein als der Lehrer, sonst geht alles schief. In der neuen Welt ist der richtige Lehrer der, der den Schüler zum eigenständigen Denken bringt – ihn selbstständig macht, ihn dazu ermuntert, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Das ist nicht nur das Ideal in den neuen Wissensberufen und hippen Digitalbuden, sondern auch in der innovativen Industrie – und die Erfolgsbasis des „Kaizen“-Prinzips, was übersetzt so viel bedeutet wie „Veränderung zum Besseren“. Jeder Arbeiter kann jederzeit beim Management intervenieren, wenn er im Produktionsprozess einen Fehler erkennt – oder eine Verbesserungsidee hat. Bewertung ist keine Einbahnstraße mehr.

Fundstelle auf brandeinsMaßstabsgerecht

Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen

Langes Analysieren ist in einer Kultur ohne Fehl und Tadel vordergründig nur die vorweggenommen Entschuldigung, wenn sich die Entscheidung als falsch herausstellt.

Foto: Cover-Ausschnitt von Feel it! …

Die folgende Rezension des Buchs Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen von Dr. Andreas Zeuch schrieb ich vor 5 Jahren auf Amazon, und da es immer noch aktuell ist, möchte ich den Text auch hier nochmals bringen:

agiles Geschäftsprozessmanagement über intuitive Improvisation …

… so habe ich schon einmal selbst gepostet, da ich den Bezug zum Geschäftsprozessmanagement, meinem Steckenpferd seit 1992, schon zur Hälfte des Buches erkannt hatte. Womit auch schon klar ist, an wen sich dieses Buch richtet: an Alle, die im Geschäftsleben zu lenken, zu entscheiden haben. Aber auch an alle, die merken, dass unsere Arbeitsphilosophie auf andere Füße gestellt werden muss, wollen wir raus aus dem Tal der lethargischen Mitarbeiterschaft und das Potential selbstlernender Organisation und innovativer Mitarbeiter heben.

Es ist wieder eins der erhellenden Bücher, erfrischend, spannend und auch überzeugend geschrieben. Sehr gut gefallen haben mir die vielen Beispiele aus der Forschung und auch die Geschichten, die sich ereignet haben. Untermauern sie doch immer wieder die aufgestellten Hypothesen. Nach jedem der Kapitel werden nochmals die dazu interessanten Bücher als weiterführende Literatur angegeben.

Der häufigste Satzbeginn, der uns in aktuellen Marketingmaterialien kommt ist: „In unser immer komplexer werdenden Welt …“. Und genau hier „Feel it!: So viel Intuition verträgt Ihr Unternehmen“ weiterlesen