Erfolg macht unfair

Die Demokratisierung der Arbeit hat auch etwas mit dem menschlichen Wunsch nach Gerechtigkeit und Fairness zu tun. Wer möchte schon freiwillig übervorteilt, absichtsvoll belogen, beschummelt oder gar betrogen werden? Erfahrungsgemäß ist aber genau das ein Teil des normalen Arbeitslebens. Natürlich nicht für jedermann und -frau, tagtäglich in allen Situationen. Aber es ist etwas, was wir immer wieder beobachten können und was viele schon selbst unangenehm bis leidvoll erlebt haben. Nun veröffentlichten die beiden israelischen Wissenschaftler Amos Schurr von der Ben-Gurion Universität und Ilana Ritov von der Hebräischen Universität Jerusalem im Februar 2016 die Ergebnisse einer Studie, die gerade im Kontext „Arbeit“ zu denken geben.

Gewinnen an sich ist nicht das Problem.
Sondern Gewinnen und Erfolg in einem Kontext von (Verdrängungs-)Wettbewerb. Wer sich erfolgreich gegen andere in einem Nullsummenspiel durchsetzt, läuft Gefahr, nach Abschluss des Wettbewerbs mit höherer Wahrscheinlichkeit unehrlich zu agieren und Fairness aufzugeben. Aus dem Ergebnis der vierten Studie lässt sich schlussfolgern, dass dies an einem gesteigerten Gefühl von Anspruchsberechtigung liegt: Wer sich gegen Konkurrenten durchgesetzt hat, hat aus subjektiver Sicht des Gewinners anschließend eine höhere Berechtigung auf weitere Erfolge.

Die Untersuchung von Schurr und Ritov zeigt einmal mehr, dass es gerade im Zusammenhang von Arbeit zu überdenken ist, inwieweit Konkurrenz und (Verdrängungs-)Wettbewerb ein nützliches Instrument für erfolgreiches Arbeiten sind. Fairness und somit die dringend nötige Kooperation in komplexen Umfeldern wird damit offensichtlich nicht erreicht.

Fundstelle auf Zeuchs Blog Alle Macht für NiemandErfolg macht unfair

4 Gedanken zu „Erfolg macht unfair“

  1. Erfolg kann einem zu Kopfe steigen und stellt diesbezüglich eine hohe Barriere dar, etwas zu ändern. Man kann zu stolz und zu feige dazu sein, um das zu tun, was jetzt notwendig ist. Natürlich werden im Niedergang oft keine fairen Mittel benutzt, sondern alles getan, um an ehemaligen Erfolgen festzuhalten. Nützen tut es nichts.

  2. Um Erfolg zu beurteilen und bewerten, sollte man wissen, was echte Erfolge sind.

    Rohrkrepierer, Mißerfolge, Scheinerfolge haben etwas gemeinsam. Sie beachten eine wichtige Regel nicht.

    Das Eine kann nicht ohne das Anderen sein.
    Der oder die Eine kommt ohne den Anderen nirgendwo hin!

  3. Jeder Einzelne trägt die Bürde der gesellschaftlichen Verantwortung und ist voll dafür verantwortlich, wobei er mitmacht.

    All die Apple-Jünger sind sich dessen bewußt, das sie sich in eine hohe Abhängigkeit zu einem geschlossenen System begeben. Sie wissen, das für eine Wechsel eine hohe Hürde aufgebaut ist. Sie wissen, das sie für einen Wechsel in ein offenes System etwas aufgeben und einen hohen Verlust hinnehmen müßten.

  4. Was ist Konkurrenz?
    Der bestmögliche Einsatz von Ressourcen?
    Wenn ich in kürzester Zeit etwas schaffe, wozu ein anderer viel viel länger braucht, wäre es doch gestattet, wenn ich einen Teil meiner Zeit anders verbringe.
    Aber nein, in vielen Unternehmen ist interdisziplinärer Austausch verboten, wenn er nicht als produktive Arbeitszeit anrechenbar ist. Also schaut man sich an, wie lange der Durchschnitt braucht, orientiert sich daran und ist immer noch im grünen Bereich.

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