Empfehlung: Konferenz „Agile Verwaltung 2017“

konferenz-agile-verwaltungFür Jene, die in der öffentlichen Verwaltung tätig sind und in der letzten Zeit begannen zu ahnen, dass die Arbeitsweisen hier völlig veraltet sind und eine Auffrischung gut stehen könnte, dem möchte ich die im Folgenden vorgestellte Konferenz “Agile Verwaltung 2017” am 10. Februar in Stuttgart ans Herz legen. Hier soll erfahren werden können, wie Arbeiten selbstbestimmter gestaltet sein kann und dabei viel effektiver und gleichzeitig effizienter Ergebnisse für alle Beteiligten erzielt werden können.

Der Kongress wird vom Forum Agile Verwaltung (siehe Website) veranstaltet, der Anfang des Jahres gegründet wurde. Als Mitgründer bin ich hier aktiv und habe u.a. die Idee zur Keynote eingebracht. Wir wollten zu Beginn eine Organisation vorstellen, der es gelungen ist, sich komplett auf neue, agile Arbeitsmethoden einzulassen. Und so freue ich mich um so mehr, dass wir einen der Macher von Buurtzorg gewinnen konnten, selbst vorzustellen, wie die Reise dorthin gelang. Buurtzorg ist ein Dienstleister für Heimpflege in Holland, dem es doch seine unkonventionelle Art der Arbeitsorganisation gelingt, doch mehr Zeit für die zu Pflegenden aufzubringen, als es sonst üblich ist. So gelänge es, dass sich die Pflegenden viel besser auf die Bedürfnisse der zu Heilenden einlassen können und – man staune – schneller wieder ins normale Leben entlassen können, bzw. ihr Zustand sich deutlich bessert. Das Arbeitsklima bei Buurtzorg hat sich in Holland schnell rum gesprochen, so dass inzwischen fast 25% der Pflegenden den Weg zu Buurtzorg fanden, u.a. da auch die Krankenversicherung das Potential dahinter erkannten (ich schrieb schon einmal: Buurtzorg – Beispiel für die Neuerfindung von Organisation)

Anschließend wird Jan Fischbach klären, was Agilität ist und einige Grundbegriffe dazu erklären. Dabei wird er die beiden Hauptmethoden agiler Arbeitsweisen – Kanban und Scrum – in einer praktischen Simulation vorstellen und mit den Teilnehmern gemeinsame auswerten.

Wer sich mit diesen Methoden schon auskennt, wird sich eher den parallelen Vortrag anhören. Hier wird Gregor Antochin vom Bischöflichen Generalvikariats des Bistums Fulda über die Einführung eines modernen Dokumentenmanagementsystems berichten, das durch Anwendung agiler Methoden bisherige Strukturen aufbricht.

Anschließend wird Veronika Lévesque über Spielräume für adaptives agiles Arbeiten in nicht-agilen Umwelten sprechen. Sie meint, dass es möglich sei, agil arbeiten zu können und dennoch den Strukturen des Betriebes dabei treu bleiben kann.

Auch hier gibt es wieder eine Alternative. Roland Dürre betrachtet die unumgehbare Unvorhersehbarkeit der Zukunft. Dabei zeigt er auf, dass Agile Methoden besonders dann von Nutzen sind, wenn die Unsicherheit in Bezug auf das zu erzielende Ergebnis groß ist. In der Privatwirtschaft nähmen Unsicherheiten zu. Er geht der Frage nach, ob dies auch für die Verwaltung gelte und ob agile
Methoden hier wirklich eine Daseinsberechtigung haben können.

Nach der Mittagspause geht es weiter mit einem Blog, den wir Agile Methoden: Methodenkoffer – Werkzeugkiste getauft haben. In verschiedenen Ateliers können agile Methoden selbst erfahren und ausprobieren werden. Wir haben verschiedene Angebote vorbereitet unter anderem Visualisierungstechniken, Großgruppenmoderationsprozesse, Lean Coffee in Aktion, Agiles Speed Dating oder Lego Serious Play. Gerne können auch weitere Wünsche eingebracht werden.

Zum Schluss wird Otto Kraz den Blick eines „Grand Temoin“ auf Themen und Konferenzresultate zusammenstellen.

Da das Forum gemeinnützig arbeitet, sind die Teilnahmegebühren so gestaltet, dass allein die Infrastrukturkosten der Veranstaltung damit gedeckt werden sollen.

Hier ist noch der Flyer mit der Agenda und allen weiteren Daten.

 

Autor: Dr. Martin Bartonitz

Mitinitiator der Initiative Wirtschaftsdemokratie.
Geboren 1958 und aufgewachsen in Dortmund, am Rande des Kohlenpotts, einem Schmelztigel während der Gründerzeit eingewanderter Menschen.
1992 nach der Promotion in experimenteller Physik gewechselt von der Messprozess- in die Geschäftsprozesssteuerung.
Mit Blick auf die Erfahrungen in der Optimierung der Effizienz von Prozessen in der Bürowelt kam in den letzten Jahren immer mehr die Erkenntnis: Das Business machen die Menschen. Und wenn nur nach der Effizienz geschaut wird, dann wird auch noch die letzte Motivation in den Unternehmen zerstört.
Daher sollten Organisation und auch die eingesetzte Software die Menschen in ihrer Kreativitität unterstützen und sie nicht knechten. Selbstbestimmtheit statt Fremdbestimmung sollte uns den nächsten Schub in unserer gesellschaftlichen Entwicklung bringen. Aufgrund dieser Überzeugung schreibe ich hier mit.

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