Wirtschaftsethik: Compliance im Zeitalter des Zitronenhandels

Gerade in engen Märkten gibt es kaum noch Vertrauen für die richtige Entscheidung, nämlich nicht zu betrügen, und daher der Trend hin zum weniger ethisch korrekten Verhalten geht.

Dieses Mal möchte ich einen Blick auf die ethische Motivation der Compliance (dem Einhalten von Regularien und Gesetzen) werfen. Auf den Teil, wo es um das faire Miteinander am Markt geht und welche Rolle Standards dabei spielen. Dazu möchte ich das Buch Abschied vom Homo Oeconomicus: Warum wir eine neue ökonomische Vernunft brauchen
von Prof. Gunther Dueck heranziehen, speziell das Kapitel über den Handel mit Zitronen. Und da fällt der Zusammenhang zwischen “Warum brauchen wir Standards?” und “Warum wird es in hart umkämpften Märkten schwierig, nicht compliant (hier: nicht betrügerisch) zu bleiben?” leicht zu erklären.

Herr Dueck sieht uns in einer aktuellen Phase der Marktsättigung nach dem Ende der letzten Großinnovation, der Erfindung des Computers. Die vorherigen Großinnovationen waren das Auto, die Elektrizität, die Eisenbahn und davor die Dampfmaschine (siehe auch Kondratieff Zyklus). Es gab jeweils eine lange Phase der Prosperität während des Ausrollens dieser Technologien. Arbeit gab es genug und der Absatz von Produkten war auch einfach. Kritisch wird es immer dann, wenn die Marktsättigung eintritt. Die Produkte werden nicht mehr in der Menge abgenommen, d.h. der Markt wird eng und damit hart umkämpft. Es wird nun an den Produktionsprozessen rausgeholt, was rauszuholen ist. Alles muss effizienter und effektiver werden. Siehe den BPM-Hype der letzten Jahre. Die Qualität der Produkte darf auch schon mal geringer ausfallen, um auch hier zu sparen und die Produkte günstiger anbieten zu können. „Wirtschaftsethik: Compliance im Zeitalter des Zitronenhandels“ weiterlesen

Moral, Ethik, Entscheidungen, Freiheit, Regulierung und was ich möchte.

Hier meine persönlichen und konvergierenden Erkenntnisse zur Ethik & Moral

1. Moral und Ethik

Immer mehr beginne ich zu verstehen, dass Moral und Ethik zwei böse Schwestern sind, denen es nicht gefällt, wenn andere „Lust“ empfinden. Die ältere Schwester heißt Moral und richtet seit Urzeiten beliebig viel Unheil an. Ihre jüngere Schwester, die “Ethik“ meint es besser. Sie versucht zu retten, was ihre ältere Schwester “Moral” angerichtet. Nur zu oft macht sie es aber schlimmer nach dem Motto „gut gemeint aber schlecht“ gemacht.

Mit diesem Bild will ich sagen, dass die Moral ursächlich für vieles Schlimme ist und der Anspruch der Ethik, es besser zu machen, nicht funktioniert. Am Schluss kommt immer wieder eine Moral mehr dabei heraus.

2. Moral und Entscheidung

In meinem Weltbild habe ich lange Entscheidungen vor allem im Spannungsfeld von Ratio (Fakten, Bewertung, Folgerung, Kopf) und Intuition (Emotion, Gefühl, Bauch) gesehen. Wobei ich die Heuristik der Intuition zugeschlagen habe.

Mittlerweile sehe ich immer klarer, dass es noch eine dritte, oft ungeheure mächtige Einfluss-Größe gibt. Das ist die Moral, die immer wieder Entscheidungen gegen den gesunden Menschenverstand bewirkt.

Das habe ich im eigenen Leben zu oft erlebt. Alle falschen Entscheidungen, die ich getroffen habe, sind mit moralischen Argumenten durchgesetzt worden. Und ich habe wesentlich genau unter diesen Entscheidungen gelitten!

Und wenn ich heute den Menschen beim Konsens finden und Entscheidung machen bewusst zuhöre, dann bemerke ich immer mehr, dass die ausgetauschten Argumente überwiegend moralischer Art sind und nicht aus der Vernunft stammen, nicht dem gesunden Menschenverstand folgen und auch nicht der Heuristik oder Intuition. Das finde ich bestürzend. Nein, die Moral dominiert die Entscheidungen.

3. Moral und Regulierung

Mir ist bewusst geworden, wie sehr wir im einfachen Reden und Sprechen wie im Denken und Argumentieren laufend moralisieren und wie sehr wir von Moral und vielen kleinen und großen Moralismen geprägt sind. Zudem bilden Systeme, in denen wir leben,massive kollektive Konstrukte aus, die uns weiter “moralisch” beeinflussen und prägen. „Moral, Ethik, Entscheidungen, Freiheit, Regulierung und was ich möchte.“ weiterlesen