"brav" oder "brave", das ist hier die Frage …

Heute brauchen wir „Brave thinking“ und nicht mehr braves Warten im Alten, das eben die begünstigt, die jetzt „oben sind“.

Foto: Prof. Dr. Gunter Dueck – Omnisophie

Die Besten – wer sind die überhaupt? Es sind solche, die nach anerkannten Kriterien weit herausragen. Sie sind am schnellsten über 100 Meter oder erwirtschaften die höchste Eigenkapitalrendite. Die Kriterien, nach denen etwas am besten ist, werden in uns eingebläut. Wir sollen sie internalisieren.

Derzeit in der Werbung: „Kind, hast du einen Wunschzettel geschrieben? Ach, da ist er ja…ich schaue mal durch… hey, Kind, das ist praktisch der gesamte Spielzeugkatalog, meinst du das ernst?“ – „Aber Mama, ich bin dieses Jahr doch so brav gewesen!“ Spüren Sie es? Das Hauptkriterium unserer Kultur ist „brav“, das weiß sogar der Weihnachtsmann: „Kinder, seid ihr denn schön brav gewesen?“ – „Jaaa!!!“ Über unseren Zeugnissen stehen die Kopfnoten in Ordnung, Fleiß, Betragen und Mitarbeit – brav.

Liebe Leute, woher kommen denn die Regeln? Die hatten – einmal ganz naiv positiv gesehen – doch einmal einen Sinn in einer bestimmten Zeit. Und in diesen Zeiten, die da kommen und gehen, wäre es gut, sich immer wieder auf den Sinn der Regeln und Kriterien neu zu besinnen. Faktisch gesehen tut man das dann doch lieber nicht, weil sich die Zeiten meistens nur so langsam und allmählich ändern und weil die stur fest etablierten Regeln, Kriterien und Rituale an sich auch etwas Gutes haben.

Die Digitalisierung aber erzwingt jetzt große Veränderungen in unser aller Leben. Kriterien und Regeln werden sich „radikal“ (so sagt man das) verändern. …

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Wirtschaft und Demokratie – drei Bücher

Wird überhaupt noch darüber gestritten, ob das Ziel eines Unternehmens maximaler Gewinn sei oder seine gedeihliche Existenz als Sozialgebilde?

Inzeuch_300dpi_cmyk mancher Arbeitsumgebung wird darüber nicht einmal gesprochen – darauf deuten zumindest Studien wie der Gallup Engagement Index hin, die Andreas Zeuch am Anfang seines Buches „Alle Macht für niemand“ heranzieht. Sie besagen, dass ca. 20 % der Mitarbeiter innerlich gekündigt haben bzw. „Dienst nach Vorschrift“ schieben.

Während des vergangenen Jahrzehnts seien den Unternehmen dadurch jährlich im Mittel etwa 100 Milliarden € verloren gegangen, rechnet Zeuch vor. Quelle der Unlust und ihrer Folgeschäden – darüber sind fast alle Autoren in den drei hier vorgestellten Bücher mit ihm einig – ist meist der Mangel an Eigenverantwortlichkeit und Mitbestimmung der Beschäftigten. Der Sinn ihrer Tätigkeit hat wenig oder nichts mit eigenen Intentionen zu tun, er geht über den schieren Gelderwerb kaum hinaus, die Strukturen sind hierarchisch – oft wird so vor allem die Verantwortungslosigkeit organisiert. Was daraus wird, zeigt das Beispiel VW – es gibt zahllose andere. „Wirtschaft und Demokratie – drei Bücher“ weiterlesen